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Words: 6034
Rating: None
Pages: 24.1
submitted by: Savenia

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Zwei Frauenfiguren Theodors Fontanes Mathilde Möhring und Corinna Schmidt im Vergleich Two women in contrast

1 Vorwort
Im Folgenden möchte ich die Aufstiegskämpfe der Frauen Corinna Schmidt und Mathilde Möhring beschreiben, die beide aus dem Kleinbürgertum stammen und davon träumen, ihre soziale Stellung zu verbessern. ... Die beiden Romane „Frau Jenny Treibel“ (geschrieben Winter 1887/88 bist Oktober 1891) und „Mathilde Möhring“ (entstanden 1891 und1895/96), geschrieben von Theodor Fontane, dienen mir dabei als Vorlagen zur Analyse der Beziehungen: nämlich der Corinna Schmidts zu dem Sohn eines Berliner Fabrikbesitzers Leopold Treibel, und das Verhältnis Mathilde Möhrings zu dem ebenfalls aus dem Großbürgertum stammenden Hugo Großmann. In beiden Romanen leben die Protagonisten in Berlin, Mathilde und ihr Ehemann Hugo später in Woldenstein, einer fiktiven Kleinstadt in Westpreußen. ... Die Geschichte der „Mathilde Möhring“ ereignet sich Anfang Oktober 1888 bis Oktober 1890. Die Romane habe ich nur auf die Geschehen der „Liebesgeschichten“ hin analysiert und besonders in „Frau Jenny Treibel“ einige Personen und deren Umstände und Handlungen ungeachtet gelassen. ... Bei dieser Zusammenfassung handelt es sich nur um die Handlungen von Corinna Schmidt und ihren Folgen. Schon im ersten Kapitel des Romans schwärmt Corinna im Gespräch mit Jenny Treibel von einem „Landauer und einem Garten um die Villa herum“1 und ihrem Gefallen an Gesellschaften. Jenny lädt Corinna, ihren Cousin Marcell und ihren Vater, der für solche Gesellschaften jedoch nicht viel übrig hat, zu einem Diner ein, dass zu Ehren eines Engländers im Treibelschen Haus gehalten wird. Jenny weiß, dass Corinna die englische Sprache beherrscht und einiges über die Politik und Geschichte Englands kennt. Die Gäste und Freunde, die zu diesen Partien und Festen eingeladen werden, sind sorgfältig nach dem Gesichtspunkt ausgewählt, wie viel sie zu dem Ansehen, dem Prestige des Hauses Treibel beitragen können. Zu diesen Personen gehören zwei adlige Hofdamen, der Opernsänger Adolar Krola, der mit seinem guten Äußeren, seiner guten Stimme und seinem Vermögen dem Ansehen der Familie, solch einen Freundeskreis zu haben, natürlich beiträgt. Corinna Schmidt wird gerne geladen, da sie mit ihren geistreichen und gebildeten Konversationen zum Erfolg der Treibelschen Gesellschaften beiträgt.
Bei oben erwähntem Diner sitzt Corinna neben dem Engländer Nelson und unterhält sich mit ihm auf eine kecke Weise und stellt sich als durchaus unterhaltend dar. ... Er unterliegt sofort ihrem Charme und Esprit. Ihrem intelligenten Cousin Marcell missfällt dieses, da er selbst Heiratspläne mit ihr anstellt und das Spiel durchschaut. Im anschließenden Gespräch der beiden jungen Leute erklärt Marcell eindeutig, dass die flotte Corinna einfach nicht zu Leopold passt. ... Corinna selbst verleugnet ihre Absichten nicht und steht klar zu ihrem Vorhaben. ... Sie sehnt sich nach Luxus und einem Leben ohne Geldsorgen. ... Sie ist empört und entschieden gegen eine Hochzeit der beiden jungen Leute, denn Corinna verfügt nicht über viel Geld oder einen Status. ... Zunächst versucht sie sich bei ihrem Ehemann zu empören, der jedoch einer solchen Hochzeit nicht abgeneigt ist und meint, dass seine Frau überreagiere. Frau Jenny Treibel beschwert sich dann bei Herrn Willibald Schmidt und Corinna selbst, die sich gegen alle Anschuldigungen eines „überlegten Überfalles“4 vehement wehrt. Leopold jedoch will hart bleiben, schwört Corinna Liebe bis in den Tod, verspricht Wehrhaftigkeit und Unerbittlichkeit gegenüber seiner Mutter - doch den Worten folgen keine Taten, und das sieht schließlich auch Corinna ein. So kommt es, dass sie doch den ihr schon lang versprochenen Marcell heiratet und Leopold die hochnäsige Schwägerin aus Hamburg. ... 2 Mathilde Möhring
Der von Theodor Fontane in den Jahren 1891 und 1895/96 geschriebene Roman „Mathilde Möhring“ erzählt von der jungen, intelligenten, zielstrebigen, dabei wenig anziehenden Mathilde Möhring, die mit ihrer Mutter in einer Berliner Wohnung lebt. Von all ihren Nachbarn wird sie wegen ihrer Höflichkeit und Umsicht bewundert und anerkannt. Da Mutter und Tochter aufgrund des Todes des Vaters von Mathilde alleine leben und nicht viel Geld haben, vermieten sie eines ihrer Zimmer. Ein Mieter findet sich in Hugo Großmann, einem Studenten kurz vor dem Examen, der jedoch lieber Unterhaltungsliteratur als juristische Werke liest und abendliche Theaterbesuche dem Besuch der Universität vorzieht. Mathilde sieht in ihm eine Chance für sich, aus den ärmlichen Verhältnissen und dem mütterlichen Haus herauszukommen, sieht aber auch ein, dass dies eine schwierige Aufgabe im Hinblick auf seine Faulheit und Unentschlossenheit sein wird. ... Der beachtet sie zunächst aber gar nicht und widmet sich lieber seiner Theaterleidenschaft und seinem Freund, einem Schauspieler. Nach einer längeren Krankheit und der damit verbundenen guten Fürsorge Mathildes kommt er zu dem Schluss, „dass Thilde die Frau sei, die für ihn passe“5. Er hat gemerkt, dass sie ein gutes Gegenstück zu ihm bildet und er sich mit ihr ergänzt. Sie ist sehr fleißig und ehrgeizig. Er eher faul und unentschlossen. ... Und er hat sich nicht getäuscht. Denn sobald sie seiner in Form einer offiziellen Verlobung sicher ist, lässt sie ihn nicht länger ausruhen, sondern sorgt eigenhändig dafür, dass er tüchtig und regelmäßig für sein Examen lernt und dieses schließlich auch besteht. ... Nachdem er das Examen in der Tasche hat, setzt Mathilde sich nicht zur Ruhe, sondern durchforscht so lange die Zeitungen, bis sie auf eine Annonce stößt, in der nach einem neuen Bürgermeister für die Kleinstadt Woldenstein gesucht wird. Mathilde sorgt dafür, dass ihr Verlobter diese Chance ergreift und den Posten bekommt. Nachdem das alles geregelt ist, steht der Vermählung nichts mehr im Wege. Die aus armen und kleinen Verhältnissen stammende Mathilde Möhring hat sich zur Bürgermeisterfrau gemacht. Und sie macht sich weiterhin gut. Denn immer noch ist Hugo auf ihren Anstoß angewiesen und sie sorgt im Hintergrund dafür, dass er sich in seiner neuen Arbeitsstelle zurecht findet, gibt ihm Denkanstöße und macht Vorschläge für neue Unternehmungen in der Stadt. Auch sichert sie ihm das Wohlwollen der Vorgesetzten in der Gegend und macht das junge Ehepaar zu allseits beliebten Leuten in der Stadt. Doch der Erfolg hält nicht lange an, denn Hugo zieht sich eine schlimme Lungenentzündung zu, die schließlich zu einer Schwindsucht führt und letztlich zum Tod. So sieht Mathilde sich wieder in ihre alten Lebensumstände zurückgeworfen, zwar mit Witwenrente, aber doch nicht sehr viel besser als vor der Heirat mit Hugo Großmann. Doch sie findet sich schnell wieder zurecht und entschließt sich, nun selbst Lehrerin zu werden. Mathilde sieht aber ein, dass sie nicht gegen Hugos Naturell hätte ankämpfen sollen. Sie lernt für ihr Examen und besteht es mit weitaus größerem Erfolg als Hugo damals das seinige.


3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Charakteren der Frauenfiguren Corinna Schmidt und Mathilde Möhring

3. ... 1Corinna Schmidt

Corinna Schmidt ist die 25-jährige Tochter des Doktors Willibald Schmidt, einem Professor und Oberlehrer am Gymnasium zum Heiligen Geist in Berlin. Sie ist „wuschelhaarig“6 und attraktiv. Sie trägt moderne Kleidung und legt sehr viel Wert auf ihr Äußerliches, herauszulesen in der Rede ihres Cousins Marcell, der in Corinna verliebt ist, und um sie als zukünftige Ehefrau wirbt, zu Corinnas Vater: „ich sah zu meinem Schmerz wie veräußerlicht sie ist und wie die verdammte neue Zeit sie in Banden hält.“7 Das Bildungsbürgertum, in dem Corinna aufwächst, hält nicht viel von materiellen Dingen. ... Die junge Frau, die ohne ihre Mutter aufwuchs, ist intelligent, unbefangen und klug. ... Von ihrem Vater ist sie zur Unabhängigkeit und Selbständigkeit im Denken und Handeln erzogen worden. Sehr gebildet ist Corinna in Gebieten wie Englisch, Geschichte und Politik auch. Sie ist sehr unterhaltsam, schlagfertig, hat eine ganze Menge Charme, Esprit und Witz. ... „Ich habe meinen guten Verstand und bin offen und frei und übe damit eine gewisse Wirkung auf Männer aus“9, so beschreibt Corinna sich selbst im Gespräch.


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